Die historischen und mythologischen Wurzeln der Märchen
Die historischen und mythologischen Wurzeln der Märchen
1. Märchen sind ein kultureller Schmelztiegel
Märchen wie „Frau Holle“ sind keine simplen Kindergeschichten, sondern bestehen aus mehreren historischen Schichten. Sie haben eine heidnisch-germanische Hülle (magische Brunnen, sprechende Natur, Wetterzauber), die später mit einem starken christlich-moralischen Kern (Nächstenliebe, Jüngstes Gericht, ausgleichende Gerechtigkeit) gefüllt wurde.
2. Götter verschwinden nicht, sie verwandeln sich
Als das Christentum nach Europa kam, verschwanden die alten germanischen Gottheiten nicht einfach. Sie wurden „umgeschrieben“.
- Aus der mächtigen Schicksals- und Erdgöttin Holda/Perchta (und ihren nordischen Verwandten Frigg und Freya) wurde im Volksmund die Märchenfigur Frau Holle oder eine gefürchtete Sagengestalt.
- Ihre Verbindung zur Totenwelt und zur Natur wurde von der Kirche oft ins Dämonische gewendet (z. B. als Anführerin der Hexen oder der Wilden Jagd).
3. Alltägliche Märchen-Symbole haben uralte Wurzeln
Die Requisiten im Märchen sind keine Zufälle, sondern tiefgreifende mythologische Symbole:
- Der Brunnen: Er ist nicht nur ein Wasserloch, sondern das Tor zur Anderswelt. Er hat seinen Ursprung im heiligen Urdbrunnen der nordischen Mythologie, an dem die Nornen das Schicksal lenken.
- Das Spinnen: Es steht seit Urzeiten für das Weben des menschlichen Schicksals (wie es die Schicksalsfrauen/Nornen taten).
- Der Apfelbaum und der Backofen: Symbole für die von Mutter Erde (Nerthus/Holda) gespendete Nahrung und den Kreislauf des Lebens.
4. Uralter Glaube lebt in unserem Alltag weiter
Viele Bräuche, die wir heute noch gedankenlos ausführen, basieren auf der Angst oder dem Respekt vor diesen alten Mythen. Das gilt besonders für die Rauhnächte (die Zeit „zwischen den Jahren“):
- Keine weiße Wäsche zu waschen, um die Wilde Jagd nicht anzulocken.
- Der Frühjahrsputz oder das Räuchern der Wohnung zum Jahreswechsel.
- Die gruseligen Perchtenläufe im Alpenraum zur Winteraustreibung.
5. Sammler vs. Erfinder
Die berühmtesten Märchenerzähler wie die Brüder Grimm oder der Franzose Charles Perrault haben meist die Geschichten nicht selbst erfunden, sondern haben diese aus alten, mündlichen Überlieferungen gerettet und aufgeschrieben. Nur sogenannte Kunstmärchen-Autoren wie Hans Christian Andersen haben sich ihre Geschichten von Grund auf neu ausgedacht.
The Norn's Whisper / Das Flüstern der Norne
Originaler Songtext (Englisch)
At the Wellspring of Urd, where the World Tree takes root, I trace the threads of what was, from the branch to the fruit. My sister, she weaves the now, while the youngest sees what will be, Yet all of the ages are held in the water by me. The golden spindle whispers of kindness and grace, A kind little maiden who found her true place. So I tend to the roots, both the old and the new, For the past is the magic that always shines through.
Deutsche Übersetzung
Am Urdbrunnen, wo der Weltenbaum seine Wurzeln schlägt, verfolge ich die Fäden dessen, was war, vom Zweig bis zur Frucht. Meine Schwester webt das Jetzt, während die Jüngste sieht, was sein wird, doch all die Zeitalter werden von mir im Wasser bewahrt. Die goldene Spindel flüstert von Güte und Anmut, ein liebes kleines Mädchen, das seinen wahren Platz fand. So pflege ich die Wurzeln, sowohl die alten als auch die neuen, denn die Vergangenheit ist die Magie, die für immer hindurchscheint.